Bikini-Atoll


Das
Paul-Gauguin-Stipendium wurde zur [2k]Jahrtausendwende von einem anonymen Kunstförderer aus Paris initiiert, Gerüchten zufolge vom bekannten Radiologen Jean-Charles Gauguin, einem vermögenden Urenkel des Malers.

Ab dem 50. Jahrestag des Tests der großen BRAVO-Bombe soll jährlich ein junger Literat (Frauen sind aufgrund der möglichen Schädigung Un- oder Nachgeborener ausgeschlossen. Auch für Männer gelten diesbezüglich spezielle Teilnahmebedingungen, z.B. die Anlage eines ausreichenden Samenbankkontos vor der Abreise und der ausdrückliche Verzicht auf jeglichen Schadenersatz für eventuelle Schädigung des Erbguts.) Gelegenheit haben, die Auswirkung erhöhter Strahlungswerte auf seine Auffassung der - augenblicklich doch recht ruhigen - Vorgänge in der pazifischen Umwelt zu testen.

Bereits die Arbeiten der amerikanischen Maler
Charles Bittinger, Arthur Beaumont und Grant Powers, welche die ersten amerikanischen Atomtests am Atoll 1946 begleiteten, lassen darauf schließen, daß erhöhte Strahlungswerte der Umbebung zu einer verschönten, optimistischen Wahrnehmung und einer erheblichen Anregung der Phantasie in der anschließenden Darstellung führen können.

Zum Bedauern der Kommission sind im heutigen Zeitalter des Hedonismus nur wenige Künstler bereit, das vermeintliche Gesundheitsrisiko einer solchen Reise auf sich zu nehmen – ganz im Gegensatz zu den zahlreichen Tauchern, welche als Touristen die gesunkenen amerikanischen Schiffswracks neben einer beispiellosen Flora und Fauna bewundern, oder dem heurigen Stipendiaten
Herbert Fidler, der schon nach dem AKW-Unfall in Tschernobyl 1986 überraschend positive Auswirkungen auf seine Kreativität durch erhöhte Strahlung feststellen konnte.

Fidler wurde das Stipendium jedoch vor allem mit dem Argument zugesprochen, in seinen "Romantischen Geschichten", aber auch in Materialbearbeitungen wie "Schmoegner und Das Indiskrete Licht" eine
"besonders aktuelle Form packend authentischer Innenweltprosa" zu liefern.
Es seien daher
besonders aufschlußreiche Resultate zu erwarten.

[Zum Thema auch Thomas Trenkler im Standard, 27. Juni 2003]

Gutachter der USA bezeichnen einen längeren Aufenthalt am Bikini-Atoll als völlig bedenkenlos, während europäische Umweltschützer das Gebiet noch für einge Zeit als restlos verseucht bewerten (siehe Link unten).
Einig sind alle Gutachten, daß einheimische Lebensmittel und Meeresfrüchte keineswegs genossen werden sollten, und stattdessen auf importierte Nahrung zurückgegriffen werden sollte.
Der Lebensmittelimport auf die Marshal-Inseln wird von den USA massiv unterstützt und bildet mit einem Volumen von 57 Mrd. Dollar (2001) ein lukratives Geschäft für einige Exporteure (darunter auch McDonalds mit Produkten "100% Made in USA").

Die Initiative
des Paul-Gauguin-Stipendiums genießt auch als Gegenströmung zur augenblicklichen politischen Entfremdung zwischen Frankreich und den USA steigendes Ansehen.

"Man sollte rechtzeitig beginnen, amerikanische Irrtümer positiv auszuwerten, bevor es endgültig zu spät ist.
Der Kunst- und Kulturbereich ist dafür natürlich besonders geeignet."
,

so Thiery Ledoux, Vorsitzender der Kommission zum Paul-Gauguin-Stipendium.






















bombpainting




The Baker Bomb at Bikini

Charles Bittinger #1
Oil on canvas, 1946

"MARCH 1, 2004, marks the  50th anniversary of the 1954  BRAVO HYDROGEN BOMB TEST, the largest weapon ever tested by the United States, which occured on Bikini Atoll."

" Zweiteiliger Badeanzug, der seinen Siegeszug kurz nach dem 2. Weltkrieg begann.
   Louis Réard führte 1946 erstmals den Bikini in Paris vor, wenige Tage nach dem Aufsehen erregenden Atomtest auf dem Bikini-Atoll (Namensursprung). "
 
– 
Daß man es kurz nach den maßlosen Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs noch lustig fand, ein Damenmodeaccessoire ausgerechnet nach einer verheerenden Massenvernichtungswaffe zu benennen, ist eine ganz besonders bizzarre Blüte von "Nachkriegshumor"
(siehe auch: Nachkriegsarchitektur).

Die Abstraktion eines Kleidungsstücks auf das Bedecken weniger Quadratzentimeter von mit Resttabus belegten Körperzonen (und die dazu als Haltemechanismus notwendigen Bändchen) steht zwar nicht nur für Befreiungsideen der "Sexuellen Revolution", sondern letzlich auch für körperfeindliche Repressionstendenzen des Modernismus (zB. dogmatische Rechthaberei
und "Niederdiskutieren" konnte mitunter in sozialen Verhaltensdruck wie Promiskuitätszwang, Schlankheitswahn oder Mobbing im allgemeinen ausarten).
Trotzdem scheint hier die Wasserstoffbombe als Metapher weit überzogen.
Zum Abschluss sei noch die Spekulation erlaubt, das Busen-Attentat auf Theodor W.Adorno (1969) hätte unter Anwendung von Bikinis gerade noch im Rahmen aller nötigen Diskretion ablaufen können: nämlich ohne den Meister auf seine letzten Tage noch unnötig zu berunruhigen -
dass ER zum Schluss noch ein bisschen un-modern war, hatte er sich wahrlich verdient.





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